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Die alte Mittelalterstadt

Ganz im Westen von Seeland erstrecken sich die zwei von der Eiszeit geschaffenen Halbinseln Asnæs und Røsnæs in den Großen Belt. Zusammen bilden sie den ca. 16 km langen Kalundborg Fjord, die den natürlichen Hafen von Gisseløre so beschützen, dass man selbst in den härtesten Eiswintern Kalundborg mit dem Schiff anfahren kann.

Hier, an diesem gut geschützten Naturhafen, baute Esbern Snare um das Jahr 1170 eine Burg auf einer natürlichen Anhöhe (Vestre forborg/ westl. Vorburg), deren Reste noch heute im Ruinenpark westlich der Frauenkirche und des Museums zu sehen sind. Der natürliche See hinter der Anhöhe – Munkesø – machte es möglich, zum Schutz einen Wallgraben rund um die Burg anzulegen.

Fæstningsbyen Kalundborg - se modellen i den kulturbotaniske have på Kalundborg Museum

Die alte Mittelalterstadt


Wir befinden uns am Ende des 12. Jhs. Hoch über dem Kalundborg Fjord sitzt einer der wichtigsten Männer seiner Zeit, der breitschultrige Esbern Snare – Absalons großer Bruder und Ziehbruder des dänischen Königs Valdemar – in seiner neu gebauten Burg.

Er kann den Anblick seiner großen Kriegsschiffflotte unten im gut beschützten Naturhafen – der Heeresbucht – genießen, und hat gleichzeitig einen guten Ausblick auf Feinde, die vom Meer her kommen. Gemeinsam mit den Burganlagen in Vordingborg, Nyborg, Korsør, Sprogø und København beschützt Esberns Burg in Kalundborg die Küsten gegen wendische Seeräuber.

Um Esbern Snares Burg herum wuchs die Stadt Kalundborg. Die Stadt bekam ihren Namen aufgrund der vielen Dohlen in der Gegend, die man damals „Kaa“ nannte. Kaa-lund bedeutet also „Dohlenwäldchen“. Die Dohlen gehören mit zum neuen Wahrzeichen der Stadt und man kann sie u.a. auch auf der Statue von Esbern Snare am Marktplatz in Kalundborg finden.

Esbern Snare wurde 1128 in Fjenneslev geboren. Er gehörte zum Hvide-Geschlecht, war der älteste Sohn von Asser Rig und Inger Eriksdatter und war Bruder von Absalon. Er bekam seinen Namen aufgrund seiner Entschlossenheit und war ein eifriger Krieger und Häuptling. Er schloss sich Valdemar dem 1. an, den er angeblich davor gerettet hatte, in die Hände des Feindes zu fallen, indem er diese auf eine falsche Spur lockte und den König nach Jütland brachte.

Esbern Snare nahm an vielen historischen Schlachten und Eroberungen teil, bevor er ca 1170 begann, die Burg Kalundborg zu bauen und schuf die Grundlage für den Bau der Vor Frue Kirke (Kirche zu Unserer Lieben Frau). Er bekam 3 Söhne und 2 Töchter: Jens, Absalon, Niels Mule, Ingeborg und Cecilie. Wahrscheinlich war es Ingeborg, die nach dem Tod Esbern Snares die Marienkirche bauen ließ. Esbern Snare starb 1204 auf dem Gut „Sæbygård“, angeblich nach einem Sturz von der Turmtreppe.







Kalundborg wäre fast die Hauptstadt Dänemarks geworden.
In den Jahren 1350-1560 bewirkte die zentrale Lage „mitten in Dänemark“ zusammen mit dem Schloss und dem guten Hafen, dass die verschiedenen Könige ihren Hof, den Ständerat und den Reichsrat in der Stadt hielten. Teile der Verwaltung waren in der Stadt angesiedelt, das Reichsarchiv hatte seinen Platz im „Folen“, dem Festungsturm des Schlosses von Kalundborg. In der Zeit, als Erik von Pommern als König herrschte, wäre die Stadt fast zur Hauptstadt geworden.
Aber wie bekannt nur fast und langsam verlor die Stadt ihre ehemalige Bedeutung. Der Sage nach wurde Kalundborg nicht Hauptstadt, da die Ratgeber Erik von Pommerns nicht daran interessiert waren, nach Kalundborg umzuziehen. Das Angebot an Luxusgütern war aufgrund des Ostseehandels in Kopenhagen einfach größer!

Kalundborg – „Dänemarks Carcassonne”


Der Architekturhistoriker Wilhelm Lorentzen hat Kalundborg ”Dänemarks Carcassonne” genannt mit dem Hinweis auf eine der berühmtesten Festungsstädte Europas. Carcassonne ist eine Festungsstadt in der südfranzösischen Region Languedoc-Roussillon, die mit ihren Mittelalterbauten und der doppelten Stadtmauer die Festungsbaukunst vom 6. bis ins 14. Jahrhundert widerspiegelt.

Valdemar Atterdag (ca. 1320 – 1375), König von Dänemark 1340 – 1375

Kalundborg (Vestre forborg) wechselt im Laufe der nächsten Jahrhunderte sehr oft den Besitzer. Valdemar Atterdag wollte in den Jahren 1341 – 42 das dänische Königreich vereinen und versuchte, Kalundborg zu belagern, das zu diesem Zeitpunkt dem holsteinischen Grafen Johan gehört. Es gelang Valdemar Atterdag nicht, das gut befestigte Kalundborg einzunehmen.

Um das Jahr 1344 gelangt Valdemar Atterdag durch einen Tausch in den Besitz von Kalundborg und lässt das Schloss Kalundborg bauen. Das Schloss bestand aus einem fünfflügeligen Gebäudekomplex, umgeben von doppelten Ringmauern. An der Innenseite der äußeren Ringmauer lagen auch einige Häuser zwischen den großen Verteidigungstürmen.

Das Reichsarchiv von Dänemark befand sich im Schloss von Kalundborg

Das Schloss von Kalundborg war im 14. und 15. Jh. eines der wichtigsten Schlösser Dänemarks. Hier trafen sich die Könige und die Großgrundbesitzer zu Verhandlungen und in Kriegszeiten war Kalundborg ein wichtiger militärischer Stützpunkt. 1494 traf unter König Hans der Ständerat zusammen, der am 31. Mai den „Unteilbarkeitsbrief“ verabschiedete. Dieser legte fest, dass das Dänische Reich ein freies Wahlreich sei und nicht durch Vererbung aufgeteilt werden könne.

Das Reichsarchiv sowie die Kronjuwelen wurden in dem großen Befestigungsturm „Folen“ von ca. 1400 – 1536 aufbewahrt. Das Schloss war auch Staatsgefängnis. U. a. wurde Christian II. im Jahr 1549 als Gefangener nach Kalundborg überführt, wo er 10 Jahre später starb. Leider wurde das Schloss während des Schwedenkrieges so stark beschädigt, dass die schwedischen Belagerungstruppen 1659 die Bürger das Schloss abreißen ließen. Die einzigen sichtbaren Reste des Schlosses sind die Fundamente des Turmes „Folen“, des kleineren Turmes „Fars Hat/ Vaters Hut“ sowie ein Teil der Ringmauer.
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